Was ist IC?

Im Allgemeinen ist eine Zystitis eine Infektion im Blasenbereich, verursacht durch Bakterien und normalerweise erfolgreich mit Antibiotika zu behandeln.

Anders als die „gewöhnliche“ Zystitis wird interstitielle Zystitis (IC= interstitielle Cystitis) nicht durch Bakterien verursacht, ist durch einfache Untersuchung von Blut und Urin nicht zu diagnostizieren und spricht nicht auf eine Therapie mit Antibiotika an. Das seltene chronische Krankheitsbild der IC ist nach heutigen Erkenntnissen eine systemische Erkrankung, die sich in einer sterilen Blasenentzündung mit Schädigung der Blasenschleimhaut manifestiert. Die IC verläuft progressiv in Schüben und ist schwer zu diagnostizieren.

Der Verlauf der Krankheit ist noch unzureichend erforscht. Die Ursachen sind vielfältig und individuell unterschiedlich. Auslösende Faktoren können auch Stress, Kälte und/oder eine große körperliche Anstrengung sein.

Die IC gehört zur Gruppe der „Seltenen Erkrankungen“.

„Der Name „interstitielle Zystitis“ wurde erstmals 1897 von Dr. AJC. Skene, einem New Yorker Arzt, in der Publikation – Disease of bladder and urethra in woman – verwendet. Aber das umfangreichste Wissen zu dieser Zeit um diese Erkrankung ist mit dem Bostoner Chirurgen Guy Hunner verbunden. Er beschreibt diese Blasenerkrankung erstmals 1914. Hunner fand heraus, dass Patienten mit den im weiteren Verlauf beschriebenen Symptomen eine sehr empfindliche Blasenauskleidung hatten. Sichtbare Zeichen waren nicht vorhanden, jedoch wenn er die Blasenwand berührte, fing sie an zu bluten. Bis heute wurde der schweren Erkrankung keine rechte Bedeutung beigemessen, sie ist weder erforscht noch heilbar.“
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Interstitielle_Zystitis [24.02.2020]

Einige oder alle der folgenden Symptome können bei einer IC-Erkrankung auftreten:

Häufigkeit: Man muss bis zu 60mal oder mehr pro Tag und Nacht zur Toilette. Im frühen Krankheitsstadium kann die Häufigkeit manchmal das erste Symptom sein.

Drang: Man muss dringend zur Toilette, obwohl man gerade war. Der Druck wird oft von Schmerzen und Pressen begleitet. Meist kommen nur Tröpfchen, denn die Blase ist leer.

Schmerz: Schmerzen treten im Unterleibs- und Vaginalbereich auf. Vielfach haben die Patienten/innen das Gefühl, als schneide jemand mit einer Rasierklinge in der Blase und Harnröhre herum. Die Schmerzen ähneln denen einer bakteriellen Infektion, sind aber um ein vielfaches schlimmer. Sie gleichen denen bei schwerem Krebsleiden und werden oft mit Morphium-Medikamenten unterdrückt. Einige Patienten/innen haben zusätzlich Muskel- und Gelenksschmerzen, Migräne, allergische Reaktionen, Dickdarm- und Magenprobleme. Man kann derzeit noch nicht genau sagen, ob zwischen diesen Symptomen und Interstitieller Cystitis eine Verbindung besteht, aber es wird vermutet.

Die meisten IC-Patienten/innen haben Schwierigkeiten, überhaupt eine Diagnose zu erhalten. Der/die Urologe/in bzw. Gynäkologe/in muss vorerst feststellen, ob es sich um eine bakterielle Infektion handelt und dann andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen in Betracht ziehen. Das können Blasenkrebs, Nierenerkrankungen, Tuberkolose, Vaginalinfektionen, Sexualerkrankungen, Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut, Nierenbeckenentzündungen oder Nervenerkrankungen sein.

Eine Cystoskopie wird erforderlich, wenn keine Infektion vorliegt und auch andere Ursachen ausgeschlossen werden können. Die Cystoskopie während einer Routineuntersuchung wird allerdings kaum charakteristische Merkmale von IC erkennen lassen. Dazu ist es erforderlich, unter Vollnarkose die Blase zu dehnen (zu füllen), um die stecknadelkopfgroßen Blutungen (Risse der Schleimhaut) in der Blasenwand sehen zu können. Das sind zur Zeit die definitiven Kennzeichen der Krankheit. Um Krebs auszuschließen kann auch eine Gewebeuntersuchung erforderlich sein.

Eine Biopsie der Blasenwand ist sinnvoll, um einerseits andere Erkrankungen wie z. B. Blasenkrebs auszuschließen und andererseits die Diagnose „Interstitielle Cystitis“ zu sichern. Der Pathologe muss den Auftrag erhalten, das Gewebe mit Blick auf eine IC zu untersuchen, da hierbei ein spezielles Verfahren angewendet werden muss (Giemsa-Färbung S-100-Immunhistochemie). Ab einem gewissen Stadium ist die IC pathologisch einwandfrei nachzuweisen. Im Frühstadium der IC ist in der Regel noch keine Gewebsveränderung zu erkennen. Die IC ist nicht mit Blasenkrebs assoziiert.

Häufige Blasenentzündungen und vermehrter Harndrang können erste Anzeichen für die Krankheit sein. Auf die üblichen Antibiotika-Gaben und Spasmolytika (blasenberuhigende Medikamente) erfolgt bei IC keine Besserung. Da die Krankheit weder im Harn noch im Blut nachweisbar ist, werden die Beschwerden in der oft jahrelangen Frühphase häufig als „Reizblase“ diagnostiziert.

IC kann Menschen jeden Alters und jedes Geschlechts betreffen, die Krankheit ist jedoch am häufigsten bei Frauen anzutreffen. Jüngste Daten weisen darauf hin, dass es in den USA mehr als 700.000 bekannte Fälle von IC gibt. In Deutschland vermutet man 10-15.000 Erkrankungen und in Österreich ca. 5.000.

Am Beginn des stadienhaften Krankheitsverlaufes steht ein Defekt der Blasenschleimhaut, weswegen durch den eigenen Harn und die darin befindlichen Ausscheidungsprodukte, besonders Kalium, vermehrt Drang und Schmerzen auftreten. Die Schmerzen werden stechend, schneidend, brennend und krampfend im gesamten Unterbauch, Harnröhre und Vulva empfunden, strahlen aber auch in den Rücken und die Beine aus. Die IC-Betroffenen leiden in Folge der Erkrankung häufig an Magen-Darm-Problemen, Schleimhauterkrankungen im ganzen Körper, Schlaflosigkeit, Migräne, Gelenkserkrankungen und Depressionen.

Eine Heilung der Interstitiellen Cystitis ist nach aktuellem Erkenntnisstand nicht möglich. Allerdings kann die Weiterentwicklung der Krankheit verhindert oder zumindest verzögert werden, indem die Symptome durch multidisziplinäre Behandlungsansätze gelindert werden. Die Therapieerfolge sind umso besser, je früher die Interstitielle Cystitis erkannt und behandelt wird.

Nein, die interstitielle Cystitis, die Überaktive Blase (OAB) und die radiogene Cystitis sind keine Infektionskrankheiten. Auch die Neigung zu chronisch-wiederkehrenden Harnwegsinfekten ist nicht ansteckend.

Therapiemöglichkeiten

Mit Interstitieller Zystitis zu leben, ist eine Herausforderung, die Kreativität, Geduld und Entschlossenheit verlangt.

Je früher die Interstitielle Zystitis, die über mehrere Jahrzehnte verlaufen kann, erkannt wird, umso besser sind die Therapieerfolge, um wieder eine annehmbare Lebensqualität zu erlangen und die Harnblase als funktionsfähiges Organ zu erhalten.

  • Verschiedene Kombinationen von Schleimhautschutz, Psychopharmaka und Schmerzmittel kommen zum Einsatz.
  • Physiotherapeutische Verfahren können als zusätzliche Maßnahmen die Erkrankung günstig beeinflussen.
  • Der frühzeitige Einsatz einer guten Schmerztherapie ist sehr wichtig.
  • Bei vielen Betroffenen kann die Ernährung den Krankheitszustand positiv beeinflussen.
    Nachzulesen unter: Ernährungsratgeber von ICA-Deutschland e.V. oder in der Publikation Histaminintoleranz bei IC (Dr. med. Elke Heßdörfer)
  • Ist die Interstitielle Cystitis durch medikamentöse Maßnahmen alleine nicht zu beeinflussen, kommen operative Maßnahmen zum Einsatz.

In jedem einzelnen Fall empfiehlt der Verein im Krankheitsfall eine/n Arzt/Ärztin aufzusuchen, der/die über Behandlung und Medikation entscheidet.

Hier finden Sie Informationen zu unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten:

Odyssee von Arzt zu Arzt

IC ist eine schleichende Krankheit. Meist wird sie erst sehr spät festgestellt. Die Hoffnungen der Patienten/innen werden auf ihrer Odyssee von Arzt zu Arzt fast aufgerieben und viele verzweifeln oder erfahren gar nicht, woran sie eigentlich leiden.

Es herrscht die vordringliche Meinung, dass die Erkrankung von der Blase auf andere Körperteile ausstrahlt oder übergeht. Neueste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass es sich um eine Schleimhauterkrankung im ganzen Körper handeln könnte, die in der Blase besonders stark zum Vorschein kommt.

Man hat bei IC-Patienten/innen Besonderheiten in der DNA-Struktur festgestellt und vermutet Bakterien im Blut, die als Verursacher in Frage kommen könnten.

Ernährung bei IC

Viele Betroffene mit dem Befund IC müssen ihre Ernährung umstellen und benötigen deshalb Unterstützung rund ums Thema gesunde Ernährung.

Der Verein ICA-Deutschland e.V. hat dazu folgenden Ernährungsratgeber erstellt:

https://www.ica-ev.de/downloads/ernaehrungsratgeber-6-2017.pdf